Mit Tiki-Taka klar im Vorteil: Walking Footballer starten beim TSV Moosburg durch – aber nur im Gehen

Bericht aus dem Münchner Merkur vom 13.07.2025:

Betreten verboten: Dieses Bild zeigt den Halbkreis vor dem Tor, der für die Spieler tabu ist. Der TSV Moosburg bildet davor einen Abwehrriegel. © Bauer

Der Walking-Football-Trend aus England ist in Moosburg angekommen. Der TSV veranstaltete zu seinem Jubiläum ein Turnier. Und so funktioniert‘s:

Moosburg – Die Deutschen lieben Fußball. Doch der Volkssport Nummer eins ist ein Laufspiel – und das fällt im fortgeschrittenen Alter natürlich immer schwerer. In England, dem Mutterland des Fußballs, entwickelte sich mit Walking Football eine Alternative, die gut angenommen wird. Hierzulande spielt der TSV Moosburg an diesem Samstag nun sogar bei der bayerischen Meisterschaft in Dingolfing mit. Zuvor organisierte der Club anlässlich des 75-jährigen Vereinsbestehens ein Turnier auf dem eigenen Sportplatz. Dort gewannen die ehemaligen Bayernliga-Damen des FC Moosburg.

Walking Football wurde vor 15 Jahren vom FC Chesterfield Community Trust in Großbritannien initiiert und wird mittlerweile bereits von mehreren Vereinen in Nordbayern praktiziert. Ein zentraler Club im Freistaat ist der 1. FC Nürnberg, wo ein Cousin des Moosburgers Richard Herrmann Walking Football spielt. Das Mitglied des TSV Moosburg schaute sich den Trendsport in Nürnberg an und brachte ihn dann zum TSV, wo man ein Ü55-Team eingeführt und für die bayerische Meisterschaft gemeldet hat.

Ein Fuß muss immer auf dem Boden sein: Albert Bauer (r.) vom TSV Moosburg zeigt, wie regelkonform gekickt wird. © Bauer

Gehen statt laufen

Die Basis von Walking Football sind die Regeln, die man aus der Leichtathletik von der Disziplin Gehen kennt: Bei der Fortbewegung muss immer ein Fuß auf dem Boden sein, was das Spiel deutlich entschleunigt und für Menschen im Alter oberhalb der „Alten Herren“ (32 bis etwa 45 Jahre) attraktiv macht. „Manchen fällt es natürlich schwer, immer nur zu gehen statt zu laufen“, erzählt Herrmann. Immerhin hat der Schiedsrichter die Bewegungsabläufe zu bewerten und Laufschritte zu ahnden. Neben Joggen und Sprinten sind auch jegliche Formen von Grätschen und Tacklings verboten.

Spiel ohne Torwart

Der ganz große Unterschied zum normalen Fußball ist, dass das Spiel ohne Torwart gespielt wird. Rund um die drei Meter breiten und ein Meter hohen Tore gibt es einen Halbkreis, der nicht betreten werden darf. Ähnlich wie beim Handball stehen verteidigende Spieler der aus sechs Personen bestehenden Teams um diesen Kreis herum. Die angreifende Mannschaft versucht, über das Passspiel – erlaubt sind nur Flachpässe – und Spielverlagerungen die Lücken für den Torschuss zu finden. „Das Spiel ist ein bisschen Tiki-Taka“, zeigt Richard Herrmann auf. Denn in der Offensive profitieren die Mannschaften bei den Kleinfeld-Partien von genauen Pässen und einer guten Ballannahme. Je schneller man den Ball verarbeitet, desto mehr kann man die Verteidigung in Unordnung bringen. „Ein großer Vorteil für einen Spieler ist natürlich die Beidfüßigkeit.“

Wo ist die Lücke? Richard Herrmann – hier im Spiel gegen die Turniersiegerinnen – organisiert den Trendsport beim TSV. © Bauer

Richard Herrmann sieht für den Walking Football großes Potenzial, „weil man super in Bewegung ist, sich aber nicht überanstrengt“. Deshalb könne man diese Sportart zu verschiedenen Zwecken praktizieren. „Man kann es leistungsorientiert spielen, aber auch als Rehasport.“

Frauenteam gewinnt

Beim Moosburger Jubiläumsturnier bildete der TSV zwei Mannschaften (Ü 55 und Ü 60), zudem waren als Gäste die SG Allach/Untermenzing und das Team FC Moosburg Ex-Damen mit von der Partie. Bei der TSV-Ü60 spielte auch die Moosburger Fußballlegende Albert Bauer mit, der früher zu den glorreichen Bayernliga-Zeiten die Frauen des FCM trainierte. Das Turnier war so etwas wie das Klassentreffen der Moosburger Damen um Spielführerin Martina Bauer. Die Frauen gewannen fünf ihrer sechs Spiele (10:2 Tore) und wurden mit 15 Punkten Turniersieger. Die weiteren Plätze belegten die SG Allach/Untermenzing (9 Zähler), der TSV Moosburg Ü 55 (9) und der TSV Moosburg Ü 60 (3). Die Dreirosenstädterinnen ließen nach ihrem Turniererfolg offen, ob der Ausflug zum Walking Football ein einmaliger Spaß war oder ob daraus mehr entstehen kann.